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Tagungsbericht GKS-Jahrestagung, 6.-8. Februar 2015

Kerstin Knopf

Die 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Kanada-Studien in deutschsprachigen Ländern fand auch diesen Februar wieder in bezaubernder und verschneiter Umgebung unterhalb der Zugspitze im Hotel ‚Am Badersee‘ in Grainau, OT Garmisch-Partenkirchen statt. Das BIKQS wurde dieses Jahr von Steffen Schneider und Kerstin Knopf vertreten.

Die Sektion ‚Sprache, Literatur und Kultur im frankophonen Kanada‘ unter der Leitung von Frau Prof. Beatrice Bagola (Trier) richtete die Tagung unter folgendem Thema aus: Mehrheiten und Minderheiten in Kanada und Quebec; Majorities and Minorities in Canada and Quebec; Majorités et minorités au Canada et Québec.

„Das Thema ‚Mehrheiten und Minderheiten‘ ist für die kanadische Geschichte, Politik, Geographie, Literatur und Sprache von besonderer Bedeutung. Die Nachkommen der beiden ‚founding nations‘ – Großbritannien und Frankreich – stehen seit der Etablierung Großbritanniens als Kolonialmacht in der ehemaligen ‚Nouvelle France‘ nach dem Siebenjährigen Krieg und dem Frieden von Paris (1763) in einem ausgesprochen antagonistischen Verhältnis zueinander. Die daraus resultierenden Konflikte zwischen dem frankophonen Kanada, insbesondere Quebec, und dem ‚Rest of Canada‘ (ROC) haben die Geschichte und Kultur Kanadas im späten 18., 19. und insbesondere in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt. […] Die konsequente Durchsetzung des Französischen als einzige offizielle Sprache in Quebec und das Festhalten an der Politik des Quebecer Interkulturalismus hat in der Folge einerseits zu Verwerfungen mit der dritten Gruppe der in der kanadischen Verfassung festgeschriebenen ‚Founding Peoples‘, den ‚First Nations‘, geführt. Andererseits hat es dazu beigetragen, die nicht-frankophonen Einwanderergruppen in Quebec, allen voran die Italo-Quebecer, zu mobilisieren. […] Die Jahrestagung der Gesellschaft für Kanada-Studien greift [in drei Achsen …] das breite Spektrum gesellschaftlicher, politischer und künstlerischer Reaktionen auf die Herausforderungen des kanadischen Majoritäts-Minoritäts-Paradigmas auf und diskutiert die damit einhergehenden sozialen, politischen und institutionellen Veränderungen in Kanada und in Quebec. Die einzelnen Vorträge thematisieren ein großes Spektrum unterschiedlicher gesellschaftlicher, kultureller und wissenschaftlicher Umgangsweisen mit der kanadischen Mehrheits-Minderheits-Spezifik“ (Auszüge aus dem Programmheft der 36. Jahrestagung der GKS, S. 10f).

Die Keynote von François Paré (U Waterloo) thematisierte verschiedene Revitalisierungsmodelle indigener Sprachen in Quebec durch Bildungseinrichtungen und indigene Popkultur. Eine Achse untersuchte kritisch die vorherrschende Franko-Anglo-kanadische Binarität und beschäftigte sich mit den verschiedenen Minderheiten in Kanada, z.B. der asiatischen Diaspora (Brian K. Ray, U Ottawa), der ‚versteckten‘ afro-kanadischen Sklaven-Geschichte (Afua Cooper, Dalhousie U), dem monströsen Körper als Symbol von Traumata der geteilten Nation (Domenic A. Beneventi, U Sherbrooke) und der Repräsentation von franko-kanadischer Kultur in anglophonen Romanen des 19. Jahrhunderts (Konrad Groß, Kiel). Eine andere Achse fokussierte sprachliche Repertoires frankophoner Minderheiten in Kanada (Jürgen Erfurt, Frankfurt/Main), die Modelle des kanadischen Multikulturalismus und des Quebecer Interkulturalismus (Christian Lammert, Boris Vormann, FU Berlin), verschiedene Strategien und Konzepte junger indigener Studierender und KünstlerInnen, der ‚Wand‘ der Unsichtbarkeit in Quebec zu begegnen (André Dudemaine, Montreal) und asiatisch-stämmige SchriftstellerInnen in Quebec (Gilles Dupuis, U Montreal). Die dritte Achse untersuchte unter dem Titel ‚Queering Canada and Quebec‘ Minoritätsproblematiken im Zusammenhang mit sogenannten LGTBQ Identitäten mit Vorträgen von Stefan Brandt (U Graz) zu Alice Munro’s Kurzgeschichten, von Manon Trambley (U Ottawa) zur Beziehung zwischen LGTB-Aktivismus und respektiven kanadischen Regierungen, von Astrid Fellner (U des Saarlandes) zu indigenen Two Spirit/GLBTQ2 Künstlern und von René Schallegger (U Klagenfurt) zur Repräsentation von ‚Queerness‘ in kanadischen Videospielen. Im Nachwuchsforum sprach Nele Sawallisch (U Mainz) zur problematischen kanadischen Sklavengeschichtsschreibung, Émilie Notard (HU Berlin) zu drei frankokanadischen Innu Sprach- und Poesiekünstlerinnen und Sebastian Gessler (U Augsburg) zu Quebecer Separatisten im 21. Jahrhundert. Im ‚Teacher’s Forum‘ gab es Vorträge zu Kanada im bilingualen Unterricht (Miriam Richter, U Düsseldorf) und im Unterricht, der die Fremdsprachen Französisch und Englisch verbindet (Mira Eberz, U Trier).

Einige sehr erfreuliche Personalie als Ergebnis der Tagung:

Es wurde bekannt gegeben, dass Wolfgang Klooß (U Trier) in diesem Jahr am 23. Mai während des jährlichen Banketts des International Council for Canadian Studies der Governor General‘s International Award for Canadian Studies verliehen wird. Wir gratulieren Wolfgang Klooß sehr herzlich!

Caroline Rosenthal (U Jena) wurde zur Präsidentin der Gesellschaft für Kanada-Studien gewählt und löst Ulla Lehmkuhl (U Trier) ab. Kerstin Knopf (U Bremen) wurde zur Vizepräsidentin gewählt.

Steffen Schneider (U Bremen) gewann in diesem Jahr während der Inuit-Kunst-Tombola den Hauptpreis, eine Inuitplastik.

Wir danken Jennifer Henke, Christine Müller und Jana Geisler für ihre inhaltliche und redaktionelle Unterstützung.