Erfahrungsbericht: Auslandssemester Montréal 2013/14

Im Wintersemester 2013/14 habe ich mein Auslandssemester in Montréal, Kanada absolviert. Um genau zu sein war es lediglich ein Auslandstrimester – das akademische Jahr in Kanada ist in ein Herbsttrimester (unser Wintersemester, von September bis Dezember), ein Wintertrimester (von Januar bis April) und ein Sommertrimester (von Mai bis August) unterteilt. Ich habe dort die Université de Montréal besucht, eine der frankophonen Universitäten Montréals, und ausschließlich politikwissenschaftliche Kurse belegt. Alles in allem kann ich Montréal  für einen Auslandsaufenthalt wärmstens empfehlen. Zu den Gründen dafür komme ich jedoch später, vorab ein paar generelle Informationen:

1. Vorbereitung

Die wichtigste Vorbereitung für eine frankophone Universität ist natürlich das Erlernen der französischen Sprache. Die Stadt Montréal ist zwar quasi bilingual und einige Dozenten akzeptieren auch Hausarbeiten auf Englisch, jedoch ist das Französische unumgänglich um Québec und die Québécois wirklich gut kennenzulernen und auch zu verstehen. Und das sollte ja schließlich nicht zu kurz kommen bei einem Auslandssemester. Zudem erleichtert einem das Französische ungemein den universitären Alltag, man kommt besser in Kontakt mit Kommilitonen und nimmt inhaltlich von den Kursen natürlich viel mehr mit. Die weiteren Vorbereitungsschritte sind selbstverständlich die Bewerbung am Bremer Institut für Kanada- und Québec-Studien und im Anschluss bei der Université de Montréal selbst.

2. Formalitäten

Um eine Aufenthaltsgenehmigung muss man sich nur kümmern, wenn man länger als ein Trimester in Kanada studiert. Bei nur einem Trimester erhält man ein einfaches Touristenvisum bei der Einreise. Dafür können jedoch einige Dokumente wichtig sein: zum Beispiel Kontoauszüge, die belegen, dass man über genügend finanzielle Mittel für den Aufenthalt verfügt, oder Angaben über den Wohnort in Montréal. Ab und zu wird auch die Vorlage eines gültigen Rückflugtickets gefordert, das einen Zeitraum von sechs Monaten natürlich nicht überschreiten darf. Seinen  Wohnsitz muss man nicht offiziell anmelden. Jedoch muss man vor der Einführungswoche, am besten direkt nach der Ankunft in Montréal, sich im Bureau des Étudiants Internationaux (BEI) melden und seinen Ausweis mit der gültigen Aufenthaltserlaubnis vorlegen. Wohngeld erhält man in Kanada nicht. Es werden zwar keine Studiengebühren, aber dafür circa 300 € für die verpflichtende Krankenversicherung verlangt. Fördermöglichkeiten bestehen zum  Beispiel durchs Auslands-Bafög oder durch Stipendien.

3. Informationen zur Partnerhochschule

Die Université de Montréal ist im Vergleich zu den anderen Universitäten in Montréal relativ weit entfernt von der Innenstadt und hinter dem Berg Mont-Royal gelegen, was den Anschluss an den Nahverkehr auch etwas schwieriger macht. Wohnt man jedoch im Norden Montréals oder westlich/östlich des Bergs, ist der Weg zur Uni in circa einer halben Stunde mit dem Nahverkehr bestreitbar. Zudem liegen die Studentenwohnheime (falls man sich dafür anmeldet) meist direkt bei der Universität. Das Universitätsgelände an sich zählt jedoch zu einem der größten der Welt, sodass man von einem Ende zum anderen mindestens eine halbe Stunde zu Fuß benötigt. Per Métro und Bus ist die Uni jedoch sehr gut zu erreichen. Allein drei Métro-Stationen decken das Gelände ab.

Zu Anfang des Studiums muss man eine Studentenkarte beantragen. Diese gilt gleichzeitig als Studentenausweis, Kopier- und Mensakarte. An vielzähligen Automaten kann man sie mit Bargeld aufladen. In der Mensa kann man aber auch problemlos mit Bargeld bezahlen. Aber Achtung: Die Mensa ist vergleichsweise sehr teuer, unter 5€ erhält man selten ein Gericht. An der Universität stehen jedoch zahlreiche Mikrowellen zur freien Verfügung. Es ist also empfehlenswert, sich das eigene Essen mitzubringen. In allen Teilbibliotheken kann man mit der Karte kopieren, drucken, Bücher ausleihen und auch scannen. Zudem stehen sehr viele PC-Arbeitsplätze zur Verfügung. Mit der erwähnten Studentenkarte  kann man darüber hinaus eine ermäßigte Karte für den Nahverkehr (Carte OPUS) erhalten.

An der Universität werden generell viele verschiedene Sportarten angeboten. Die Kosten dafür sind jedoch weitaus höher, als beim Hochschulsport in Bremen. Teilweise wird auch versucht von ausländischen Studenten höhere Gebühren einzutreiben, was aber nicht immer ganz legitim ist. Was im Gegensatz zu den Sportkursen ein großer Vorteil Montréals ist, sind die Schwimmbäder, die in der Regel kostenlos zugänglich sind. Es lohnt sich also nicht unbedingt dafür an der Universität zu bezahlen. Neben dem Sportangebot, gibt es zahlreiche Studentenorganisationen, bei denen man aktiv mitwirken kann. In der Regel gibt es eine Orientierungswoche, während der man eine verpflichtende Veranstaltung für internationale Studierende wahrnehmen muss. Es werden darüber hinaus auch viele andere Veranstaltungen angeboten (Stadtführung, Campusführung, etc.). Einige Fachbereiche bieten zudem eine Initiations-Woche an, wie es beim Département des Sciences Politiques der Fall war. Diese kann entweder während der Orientierungswoche oder der ersten Uni-Woche stattfinden.

4. Akademisches Lernen

Bei Problemen an der Universität kann man sich je nach Problem an das BEI, oder den Auslandsbeauftragten des zugeteilten Fachbereichs wenden. Das Kursangebot ist sehr viel beschränkter, als das allgemeine Angebot, was man auf den Seiten der Fachbereiche findet. Dort gibt es oft nur eine Sammlung aller möglichen Kurse, nur ein Teil davon wird jedoch jedes Trimester angeboten. Meiner Erfahrung nach ist das Kursangebot für internationale Studierende zudem nochmals kleiner, weil die heimischen Studenten vor den internationalen Studenten die Möglichkeit haben sich in die Kurse einzutragen. Daher sind viele interessante Kurse schon voll, bevor die internationalen Studenten überhaupt die Liste mit den möglichen Kursen erhalten. Generell wird allen internationalen Studenten eines Fachbereichs ein bestimmter Termin mitgeteilt, an dem man die anderen kennenlernt und gemeinsam die Kurse wählt. Mit ein bisschen Glück kann man jedoch versuchen in offiziell volle Kurse noch reinzukommen.

Die Lehrveranstaltungen werden auf Französisch abgehalten, die dafür notwendige Lektüre ist oft  jedoch auch auf Englisch. Die Prüfungen sind generell auf Französisch, einige Dozenten machen auf Anfrage jedoch auch Ausnahmen. Generell belegt man pro Trimester weniger Kurse als zum Beispiel an der Universität Bremen, jedoch sind die Kurse sehr arbeitsreich. In jedem Kurs schreibt man in der Regel zwei Klausuren (eine in der Mitte, eine am Ende des Trimesters) und eine Hausarbeit, wobei oft noch kleine Aufgaben, wie Essays, Referate, Tests in der Zwischenzeit hinzukommen. Deshalb ist das universitäre Lernen von Anfang an sehr intensiv, oft muss man schon innerhalb der ersten zwei Wochen die ersten Arbeiten abgeben.

5. Unterkunft

Man hat die Möglichkeit sich für ein Zimmer im Studentenwohnheim zu bewerben. Diese sind vergleichsweise billig, jedoch nicht immer gut ausgestattet. Es gibt zum Beispiel ein Wohnheim, das keine Küche besitzt. Dort muss man zum Kochen immer in das benachbarte Wohnheim gehen. Generell gibt es aber viele Möglichkeiten, sich in Montréal ein möbliertes Zimmer zu suchen. Oft sind diese aber nicht in jungen Wohngemeinschaften, sondern zusammen mit einer älteren Person, die sich bereits eine Wohnung gekauft, aber noch keine Familie gegründet hat. Empfehlenswerte Internetseiten sind http://www.kijiji.ca/h-grand-montreal/80002 und http://ca.easyroommate.com/. Die Mieten liegen warm um die 500$, es kommt aber sehr darauf an, ich welche Gegend man zieht.

6. Öffentliche Verkehrsmittel

Montréal verfügt über ein Métro-Netz, mit dem man relativ schnell von A nach B kommen kann. Jedoch ist es nicht so verzweigt und verfügt es über nicht so viele Linien, wie man es in Europa oft gewohnt ist. Wohnt man nicht in der Nähe einer Métro-Station, kann der Weg durch die Stadt einige Zeit in Anspruch nehmen. Außerdem gibt es sehr viele Buslinien, die jedoch teilweise nur im 20-Minuten-Takt fahren. Nachts gibt es Nachtbusse, die stündlich verschiedene Stadtteile miteinander verbinden. Neben dem öffentlichen Nahverkehr, kann es sich lohnen in ein Fahrrad zu investieren. Für kurze Aufenthalte sind die Bixis zudem sehr lohnenswert. Man kann sich für verschiedene Zeitspannen einen Fahrradschlüssel kaufen und 45 Minuten lang ein Fahrrad von einer öffentlichen Station zur anderen fahren. Weiter Informationen findet man unter http://montreal.bixi.com/. Aber Achtung: Die Université de Montréal liegt am Rücken des Mont-Royal, es ist also nicht so flach wie in Bremen.

7. Studentenjobs

Studentenjobs gibt es viele, jedoch hat man nur das Recht zu arbeiten, wenn man eine offizielle Aufenthaltsgenehmigung beantragt hat. Wer also überlegt während des Trimesters arbeiten zu wollen, sollte ein richtiges Visum bei der Botschaft beantragen, ein Touristen- Visum reicht dafür nicht aus. Der Mindestlohn liegt ungefähr bei 8,50$ die Stunde.

8. Fazit

Der Auslandsaufenthalt hat mir persönlich sehr viel gebracht. Nachdem ich bereits ein Auslandsjahr nach dem Abitur in Québec verbracht hatte, habe ich durch die von mir gewählten Kurse einen noch tieferen Einblick in die Gesellschaft und Politik Québecs erlangen können. Durch den ständigen Lernaufwand in den Kursen, habe ich zudem das Gefühl sehr viel und vor allem kontinuierlicher gelernt zu haben. Zudem habe ich Anregungen für meine Bachelorarbeit mitgenommen und in der Universität sehr tolle neue Bekanntschaften gemacht. In letzerem habe ich vor allem schriftlich große Fortschritte gemacht. Zudem ist Montréal meiner Meinung nach einer der lebenswertesten Städte der Welt. Man wird vom kulturellen Programm schlichtweg „überrollt“ und kann gefühlt jeden Tag Film-/Tanz-/Musikfestivals besuchen oder einfach nur in einer Bar ein kostenloses Konzert genießen. Genau dieser Umstand macht es manchmal auch schwer, wenn man sich auf die zahlreichen Arbeitsaufträge für die Universität konzentrieren muss. Aus diesem Grund kann ich es nur wärmstens empfehlen, entweder bereits vor Beginn oder nach Ende des Semesters anzureisen, bzw. zu bleiben, um ausreichend Zeit für die kulturelle Vielfalt Montréals und natürlich für Besichtigungen außerhalb der Stadt mitzubringen. Denn auch für Naturliebhaber hat Québec selbstverständlich viel zu bieten.