Ausspracheschlüssel

Ein erster Ausspracheschlüssel

Ein Ziel unseres Seminares besteht darin, Sie in die dunklen Geheimnisse der phonetischen Umschrift einzuführen. Um diese Aufgabe zu Beginn nicht allzu sehr ausufern zu lassen, sollten Sie sich für den Anfang an der nachstehenden Aufstellung orientieren, die alles enthält, was Sie für die Transkriptionsübungen der ersten Woche(n) benötigen. Die Tabelle umfasst dabei ausschließlich diejenigen Laute, die für die breite Transkription deutscher Ausdrücke benötigt wird und orientiert sich (mit einer Abweichung, dazu später mehr) am Duden-Aussprachewörterbuch (Duden 6, 1990).

Erst in einem zweiten Schritt werden wir uns mit Lauten befassen, die nicht in der deutschen Sprache vertreten sind. Dabei werden wir auch die nachstehende Tabelle in einigen Punkten vertieft diskutieren und revidieren müssen.

Auf einige Punkte sollten Sie bereits jetzt achten:

  • Bei mehrsilbigen Wörtern sollten Sie stets den Hauptakzent angeben (repräsentiert durch ein der fraglichen Silbe vorangestelltes ', wie beispielsweise in Kanton: kan'toːn).
  • Bei vielen Wörtern, die auf Konsonant + -en enden (also z.B. liefen, Bogen, Haken, fressen, saufen usw.), bildet einzig der Nasal /n/ den Silbenkern (der Vokal wird nicht gesprochen). Ähnliches liegt vor bei Wörtern wie heißem, flachem oder weisem, bei denen das Suffix -em auf einen Reibelaut folgt: hier ist das /m/ silbisch. Syllabizität wird durch das diakritische Zeichen  ̩ausgedrückt, das unter dem fraglichen Laut notiert ist. Die Transkription der o.a. Wörter sieht also wie folgt aus: liefen: ˈliːfn̩ – Bogen: ˈboːɡn̩ – Haken: ˈhaːkn̩ usw., heißem: ˈhaɪsm̩ – flachem: ˈflaçm̩ – weisem: ˈvaɪzm̩
  • Bei einigen Vokalen findet eine Gleitbewegung der Zunge in Richtung eines anderen Vokales statt (der aber nicht wirklich erreicht wird). Solche Laute werden »Diphthonge« genannt und zählen als ein Sprachlaut. Im Deutschen kommen z.B. die Diphthonge a͜ɪ , a͜ʊ und ɔ͜ʏ vor, sehr eingeschränkt (nämlich nur in Interjektionen wie hui, ui oder pfui) auch ʊ͜ɪ: Eisen: ˈa͜ɪzn̩ – laufen: ˈla͜ʊfn̩ – Meute: ˈmɔ͜ʏtə. Diphtonge werden im Duden durch ein den beiden Lauten unterstelltes Liason-Zeichen gekennzeichnet. Wenn Sie das bei Ihren Transkriptionen auch tun sollen, werde ich Sie aber besonders darauf hinweisen.
  • Plosivlaute wie p, t oder k entstehen durch einen totalen Verschluss des oralen Resonanzraumes, der abrupt gelöst wird derart, dass die Luft quasi explosionsartig entweicht. In manchen Fällen aber wird die Verschlusslösung verzögert derart, dass ein Reibelaut (z.B. f oder ʃ) entsteht. Solche Laute werden »Affrikaten« (singular »Affrikate«) genannt und zählen als ein Sprachlaut. Sie kommen vor beispielsweise in: Pfanne: ˈp͡fanə – klatschen: klat͡ʃn̩ – Zange: ˈt͡saŋə oder tschüss: t͡ʃʏs (oder auch t͡ʃyːs). Affrikaten werden im Duden ebenfalls durch untergestellte Liason-Bögen gekenn­zeichnet, in unserem Seminar aber aus typographischen Gründen oberhalb der fraglichen Laute. Auch hier wird Ihnen gesagt werden, ob Sie diese Bögen aufnotieren sollen oder nicht.
a Assel ˈasl̩ Kasse ˈka Tuba ˈtuːba
Aale Wahn vn ja j
ɐ Ober oːbɐ Zeiger ˈtsaɪgɐ Fahrer ˈfaːʁɐ
a͜ɪ Eigelb ˈa͜ɪgɛlp Bayer ˈba͜ɪɐ Mai ma͜ɪ
a͜ʊ Auge ˈa͜ʊ Haube ˈha͜ʊ Schau ʃa͜ʊ
b Bass bas Abba ˈaba Robe ˈʁoːbə
ç Chemie çemiː rechts ʁɛçts Milch mɪlç
d Docht dɔxt Ader dɐ Bude ˈbuːdə
e Egoist eɡoˈɪst element eleˈmɛnt egal eˈgaːl
Eber ˈ Rede ʁ Café kaˈf
ɛ etwas ˈɛtvas Mätzchen ˈmɛt͡sçən gestern ˈɡɛstɐn
ɛː Ähre ˈɛːʁə dämlich ˈdɛːmlɪç zäh t͡sɛː
ə Gebot ɡəˈboːt bittet ˈbɪtət Hose ˈhoːzə
f viel fiːl Affe ˈafə auf a͜ʊf
ɡ Geld ɡɛlt Egge ˈɛɡə Sage ˈzaːɡə
h Hase ˈhaːzə geheim ɡəˈhaɪm halt halt
i Imitat imiˈtaːt kikeriki kikəʁiˈkiː Idyll iˈdʏl
ihm ˈm Silo ˈzloː nie n
ɪ innen ˈɪnən Kilt kɪlt fit fɪt
j jeder ˈjeːdɐ Ajax jaks Bajuware bajuˈvaʁə
k Kiel kiːl Ecke ˈɛkə Lack lak
l Last last Bello ˈbɛlo All al
m Made ˈmaːdə Lampe ˈlam im ɪm
n Name ˈnaːmə kannst kanst verdorren fɛɐˈdɔʁən
ŋ lang laŋ Bange ˈbaŋə Ringer ˈʁɪŋɐ
o Obelisk obeˈlɪsk Koloss koˈlɔs Lotto ˈlɔto
Ober ˈ Quote ˈkv Tarot taˈʁ
ɔ Ordnung ˈɔʁdnʊŋ Rolle ˈʁɔ hockt hɔkt
ɔ͜ʏ Eule ˈɔ͜ʏ Leute ˈlɔ͜ʏ scheu ʃɔ͜ʏ
øː Öl øːl Höhle ˈhøː Laboe laˈbøː
œ Ötztal ˈœtstaːl Böller ˈbœ Töpfer ˈtœpfɐ
p Puppe ˈpʊpə Klaps klaps Sieb ziːp
p͡f Pfote ˈp͡foːtə Apfel ˈap͡f Schopf ʃɔp͡f
ʁ Rose ʁoːzə Aral ʁaːl Perser ˈpɛʁ
s Skopus ˈskoːpʊs Esse ˈɛsə Ross s
ʃ schwerelos ˈʃveːʁəloːs Asche ˈaʃə lasch laʃ
t Takt takt Estland ˈɛstlant1 Versand fɛɐˈzant
t͡ʃ tschechisch ˈt͡ʃɛçɪʃ klatschen ˈklat͡ʃ Kitsch t͡ʃ
t͡s Zwiebel ˈt͡sviːbl̩ Katze ˈkat͡sə Hatz hat͡s
u Ukulele ukuˈleːlə putativ putaˈtiːf Mutant muˈtant
Uhu ˈhu Stuhl ʃtl Tabu taˈb
ʊ Butt bʊt Unglück ˈʊnglʏk Stuck ʃtʊk
v weit vaɪt Oval vaːl Vase ˈvaːzə
x Nacht naxt suche ˈzuːxə doch x
y Büro byˈro Dynastie dynasˈtiː Psycho psˈyço
über ˈ Rüge ˈʁɡə früh
ʏ Uecker ˈʏ Stück ʃtʏk flüstern ˈflʏstɐn
z Sahne ˈzaːnə lose ˈloːzə Fasan faˈzaːn
1 Es geht auch: ˈeːstlant