Italienisch ist in der Bundesrepublik Deutschland nach Englisch, Französisch und
Spanisch die viertwichtigste Fremdsprache. Dies zeigen einschlägige Bedarfsuntersuchungen
für Handel und Industrie, für Technik und Wissenschaft oder zum Übersetzungsumfang.
In den deutschen Volkshochschulen belegten im Jahr 2002 über 200.000 Erwachsene
einen der rund 19.000 Italienischkurse. Die Zahlen sind absolut und relativ zu anderen
Fremdsprachen seit vielen Jahren steigend. Auch an den öffentlichen Schulen gibt
es immer mehr Interesse für Italienisch. Gleichwohl leidet insbesondere das Italienische
unter der restriktiven Schulsprachenpolitik in den meisten deutschen Bundesländern.
Wo immer man Italienisch als Alternative an Schulen angeboten hat, hatte es schnell
großen Zulauf zu verzeichnen. Dies gilt auch für Bremen, wo alle Italienisch-AGs
gut besucht sind und die Nachfrage steigt. In diesen Trend stellt sich auch die
Romanistik mit ihrem Angebot eines Nebenfach-BA Italianistik.
Die Italianistik ist ein kanonischer Studiengegenstand innerhalb des Fachs Romanistik
und ein traditionsreiches geisteswissenschaftliches Fach. Als Nebenfach-Studiengang
bietet sie insbesondere für die geistes- und kulturwissenschaftlichen Hauptfächer
eine ideale Ergänzung.
Die Schwerpunkte der Bremer Italianistik liegen in kulturwissenschaftlichen Arbeits-
und Forschungsbereichen, die sich mit der Sprache, Literatur, Geschichte und Gesellschaft
Italiens befassen. Besondere Beachtung finden zum einen Transkulturalitäts- und
Postkolonialismusforschungen, d.h. internationale und globale Zusammenhänge, zum
anderen regional begründete Spezifika in Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft,
Landeswissenschaft und Sprachpraxis. Die Akzentuierung der Heterogenität der italienischen
Kultur verdeutlicht die Vielgestaltigkeit aller kulturellen Phänomene aus Sicht
der einzelnen methodischen Disziplinen. Mittels dieses programmatischen Ansatzes
wird die italienische Kultur nicht nur im Weltkontext verortet, sondern ist auch
in der deutschen, insbesondere der Bremer Geisteswissenschaft gezielt verankert.
Der Bachelor-Studiengang Italianistik bietet eine solide sprach-, literatur- und
landeswissenschaftliche Grundausbildung, die für viele Berufsbilder einschlägig
ist. Integraler Bestandteil des Studiums ist u.a. ein Modul, in dem die Studierenden
frühzeitig mit konkreten Berufsperspektiven vertraut gemacht und für eine spätere
Berufstätigkeit sensibilisiert werden. Spezialisierungen auf bestimmte Felder innerhalb
der italienischen Linguistik, Literatur- oder Landeswissenschaft sind möglich, wobei
die einzelnen Modulbeschreibungen die jeweiligen Studienziele festlegen. Auch durch
die Auswahl entsprechender General-Studies-Elemente im Rahmen des BA-Hauptfach-Studiums
können die Studierenden, ihren Interessen und Neigungen folgend, individuelle Profile
ausbilden. Aus formalen Gründen kann im Rahmen von Nebenfach-Studien kein Auslandsaufenthalt
vorgeschrieben werden. Es wird jedoch allen Studierenden des NF Italianistik dringend
empfohlen, einen 4-6 Monate dauernden Aufenthalt in Italien in ihren Studienaufbau
einzuplanen.
Der BA Italianistik vermittelt insbesondere die folgenden (je nach gewähltem Profil
vertiefbaren) Kenntnisse und Fähigkeiten:
- Rezeptive und produktive Beherrschung der italienischen Sprache in Wort und Schrift
einschließlich der Fähigkeit, differenziert über komplexe fachliche Zusammenhänge
kommunizieren zu können;
- Fähigkeit, sich in interkulturellen Situationen der romanischen Welt adäquat zu
verhalten und andere darin zu beraten;
- Kompetenz, sich in verschiedene Bereiche der europäischen und internationalen Beziehungen
eigenständig kurzfristig einarbeiten zu können;
- Überblick über die wichtigsten Bereiche der sprachwissenschaftlich fundierten Beschreibung
und Analyse des Italienischen und seiner Varianten einschließlich seiner Beziehungen
zu anderen romanischen Sprachen und der kontrastiven Analyse zum Deutschen;
- Einblick in ausgewählte Bereiche der Literatur- und Landeswissenschaft (Profilbildung
möglich in italienischer Literatur und Kultur im Kontext postkolonialer Studien,
Literatur- und Kulturtheorie insbesondere der romanischen Kontexte unter Einschluss
der Komparatistik und Migrationstheorien, Fragen von Gender und feministischer Literaturwissenschaft
in der Romania);
- historisch und politisch begründetes Verständnis von Prozessen und Ereignissen in
ausgewählten Ländern der romanischen Welt;
- Fähigkeit zu Analyse und kritischem Kommentar von literarischen, journalistischen
und wissenschaftlichen Texten;
- Erlernen geeigneter fachspezifischer Präsentations- und Kommunikationstechniken
und der dazu notwendigen schriftlichen und mündlichen Kompetenz im Italienischen.
Der BA-Studiengang Italianistik kann als Nebenfach gewählt und mit zahlreichen anderen
Studiengängen kombiniert werden. Das Nebenfachstudium Italianistik bereitet auf
ein weiterführendes Studium vor und eröffnet nach dem BA-Abschluss den Zugang zu
verschiedenen in Planung befindlichen Master-Studiengängen. So beteiligt
sich der Studiengang Italianistik an dem komparatistischen MA-Studiengang Transnationale
Literaturwissenschaft (voraussichtlich ab 2008/09) und an den in Planung
befindlichen MA-Studiengängen Romanische Literaturen sowie Linguistik.
Die studierendenfreundliche Betreuungsrelation im BA Italianistik und kleine Lerngruppen
fördern einen intensiven Austausch der Studierenden untereinander sowie zwischen
Studierenden und Dozenten. Als Studienvoraussetzung gilt momentan noch das Spracheingangsniveau
A1 des europäischen Referenzrahmens; in Zukunft wird jedoch A2 vorausgesetzt werden.
Für zukünftige Italianistik-Studierende, die das erforderliche Spracheingangsniveau
für die Immatrikulation in den BA-Studiengang Italianistik nicht vorweisen können,
stehen kostenlos die italienischen Sprachkurse des Fremdsprachenzentrums der Hochschule Bremen (FZHB) zur Verfügung.
Nebenfachstudierende der Italianistik, die das erforderliche Spracheingangsniveau
vorweisen können, sollen die von der Bachelor-Prüfungsordnung vorgesehenen Pflichtmodule
(Basismodul A4 und Aufbaumodul B3) absolvieren, die in enger thematischer Kooperation
mit den fachwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen stattfinden. Darüber hinaus arbeitet
die Bremer Italianistik mit dem Italienischen Kulturinstitut in Hamburg (Istituto Italiano di Cultura) zusammen.
Grundkenntnisse der italienischen Sprache sowie Wissen über die italienische Kultur
sind in vielen Bereichen des Arbeitsmarktes und der Wirtschaft gefragt, insbesondere
in international tätigen oder exportorientierten Unternehmen sowie in Branchen,
die stark auslandsorientiert arbeiten. Wer sich diesbezüglich spezialisieren und
Italianistik als BA-Nebenfach in Bremen studieren möchte, muss prüfen, ob sein jeweiliges
Hauptfach Italianistik als kombinierbares Nebenfach zulässt. Von Seiten der Italianistik
bestehen keine Kombinationsbeschränkungen.