Hispanistik

Hispanophonie

Was versteht man unter Hispanophonie?

Hinter dem Ausdruck Hispanophonie verbirgt sich heute keine politisch organisierte Gemeinschaft, vielmehr umfasst er die Menschen, die im Spanischen kommunizieren können in den Ländern, in denen das Spanische eine offizielle Funktion als Staatssprache oder als nennenswerte Vehikularsprache einnimmt. Schätzungen sprechen von ca. 420 Millionen spanischsprechenden Menschen auf der Welt. Spanisch wird außer in Spanien, in Amerika und der Karibik auch in wenigen Ländern/Gebieten Afrikas und in Restbeständen von einigen wenigen Menschen noch auf den Philippinen gesprochen. In Griechenland und Vorderasien sind zudem judenspanische Gruppen zu nennen. In Amerika, dem größten Teil der Hispanophonie, gehören dazu die meisten süd- und mittelamerikanischen Länder und das geographisch weitgehend zu Nordamerika gehörende Mexiko. Auch bestimmte Teile der USA müssen bei ca. 40 Mio Einwohnern mit spanischsprachiger Migrationsherkunft als Teil der Hispanophonie betrachtet werden (Konzentration im SW der USA, Florida und New York). Spanien selbst stellt nur noch ca. 10% der spanischsprechenden Bevölkerung weltweit. Das größte hispanophone Land ist Mexiko. Ein beträchtlicher Teil der indianischen Bevölkerung Hispanoamerikas hat eine amerindische Muttersprache. Auch wenn sie offiziell oft als zweisprachig gelten, ist ihre Sprachkompetenz im Spanischen meist eingeschränkt.

Hispanophonie in Amerika

Ausserhalb Europas konzentriert sich die Hispanophonie auf den amerikanischen Kontinent. Die Sprachpolitik der spanischen Krone hat in Amerika einen Prozess der Kastellanisierung eingeleitet, der die indianischen autochthonen Sprachen zurückgedrängt und z.T. ausgerottet hat. Im Kontakt mit indianischen Sprachen wie etwa dem Quechua (Bolivien, Perú, Ecuador) oder dem Guaraní (Paraguay) sind wie auch andernorts „ethnische Varitäten“ des Spanischen entstanden (español andino, Yopará, media lengua). Gezielte Einwanderungspolitik hat in postkolonialer Zeit europäische Sprachen (z.B. Italienisch in Argentinien, Deutsch in Argentinien und Chile) in Kontakt mit dem Spanischen gebracht. Einige Staaten (Paraguay, Perú, Guatemala, Kolumbien, Mexiko) erkennen neuerdings neben dem Spanischen auch indianische Sprachen als kooffizielle oder nationale Sprachen an.

Neben Untersuchungen zur areallinguistischen Differenzierung des Spanischen in Hispanoamerika (Sprachatlanten, Wörterbücher) werden z.Z. soziolinguistische, kontaktlinguistische, migrationslinguistische Forschungen ebenso wie Sprachgeschichte betrieben. Eine besondere Aufmerksamkeit findet in jüngster Zeit die Erforschung der Geschichte der Beschreibung der indigenen Sprachen durch meist spanische Missionarslinguisten in der Kolonialzeit.

Hispanoamerika, Lateinamerika, Iberoamerika

Oft wird der geographische Begriff Südamerika mit den kulturellen Begriffen Lateinamerika, Iberoamerika und Hispanoamerika verwechselt. Der häufige Ausdruck Lateinamerika ergibt keine sinnvolle Gliederung, gehören doch streng genommen Brasilien (Portugiesisch) und Teile Kanadas, der Karibik und Frz. Guyana (Französisch oder frz. Kreolisch) in denen auch (neo-)lateinische Sprachen gesprochen werden, zu Lateinamerika. Der Begriff Iberoamerika umfasst Hispanoamerika plus das portugiesischsprachige Brasilien und korrespondiert auch mit (noch lockeren) politischen Vorstellungen.

Hispanophone Länder und Gebiete - Sprecherzahlen
Land Einwohner
in Mio.
Spanischsprecher % Sprecher anderer
Sprachen in %
Fläche
in 1000 km2
Europa
Spanien 41,1 100
(85 Mutterspr.)
18 504
Gibraltar
Afrika
Äquatorial-Guinea 0,50 28
Westsahara 0,25 ? 95
(Arabisch, Hassani)
252
Ceuta u Melilla
Amerika
Argentinien 38,9 ca. 95 ca. 1,5 2.780
Belize 0,26 10-35 6,6 23
Bolivien 9,0 ca. 70 > 60 1.098
Chile 16,0 95 ca. 3 756
Costa Rica 4,3 95 - (engl. Kreolisch) 51
Cuba 11,3 100 - 111
Dominik. Republ. 8,9 100 - 48
Ecuador 13,2 90 40 272
El Salvador 6,6 97 3 21
Guatemala 12,7 80 60 109
Honduras 7,1 96 3,2 112
Kolumbien 44,9 99 1 1.142
Mexiko 104,9 95 8-12 1.953
Nicaragua 5,6 98 1 120
Panama 3,2 95 6,8 75
Paraguay 6,0 50 90 407
Peru 27,6 85 35 1.285
Puerto Rico 4,5 100 - 9
Uruguay 3,4 100 - 176
Venezuela 26,2 98 1,5 912
USA 297,0 Hispanos (über 40 Mio,
davon Spanischsprecher
30,6 Mio, = 10,3%)
9.809
Niederl. Antillen 0,3 95%
Papiamentu-Sprecher
5
Asien
Philippinen 81,4 0,3 300
Israel, Türkei, Griechenland Kleinere Gruppen Judenspanisch